Spurrillen im Gehirn oder die 72-Stunden-Regel

 

Möglicherweise kennt sie bereits jeder von euch, sie besagt, dass alles, was wir nicht innerhalb von 72 Stunden umsetzen, für alle Zeit unerledigt bleibt. Zumindest soll das in 99 %  der Fall sein.

Das gilt für das Keller aufräumen genau so, wie für abgespeicherte Newsletter, ungelesene Bücher, die wir irgendwann noch mal lesen werden, wenn wir Zeit haben. Hm. Zeit? Haben… Wer soll sie uns geben? Steht sie irgendwann vor der Tür und sagt: hey ich bin es Deine Zeit, Du kannst mich haben?

Eher nicht. Außerdem denke ich, wenn wir die Zeit dafür irgendwann ÜBRIG haben sollten, benötigen wir die Newsletter nicht mehr.

 

Irgendwie, irgendwann

Aber auch für den Frühjahrsputz kann das gelten, den brauchen wir im Herbst auch nicht mehr machen.  Das ist so ein Irgendwann, irgendwie – Ding. Völlig unbrauchbar. Es ist nur ein Alibi-Verhalten für unsere Ratio.

Ich weiß schon, jetzt kommen einige strategisch denkende Menschen um die Ecke, boah, alles muss doch gut durchgeplant sein und strukturiert und so. Ja ja. Kann man so machen, nur… ich fange lieber an.

Meine Wahrnehmung ist anders, ich habe eine Idee kann sie aber nicht sofort umsetzen, weil ich grad noch Auto fahre, arbeiten bin, mich in geselliger Runde befinde, wie auch immer. Ich nehme mir vor, die Idee zu konservieren bis ich zu Hause bin.

 

Trickse Dein Gehirn aus mit der 72 Stunden  Regel

Später dann zu Hause… weg ist die Idee. Was war das denn nur? Das wollte ich doch unbedingt umsetzen. Mennuh.  Sie fällt mir einfach nicht mehr ein. Ich bin wütend.

Also habe ich mir angewöhnt, die Idee direkt ins Handy zu tippen oder zu sprechen. Dafür habe ich die  App Dictaphone geladen, Du kannst sie Dir  hier, downloaden, sie ist kostenlos und kinderleicht zu bedienen, funktioniert wie damals ein Cassettenrekorder.

Jetzt aber… genau greift die 72 Stunden Regel.

Die App nutzt nur dann etwas, wenn Du innerhalb von 72 Stunden beginnst, das in die  App gesprochene anzuhören und umzusetzen.

Warum das so ist, weiß ich leider auch nicht. Aber dass es so ist, kann ich bestätigen.

 

Delete Funktion des Gehirns

Irgendwie scheint das Gehirn nach Ablauf der 72 Stunden Dein Vorhaben nicht mehr so wichtig zu finden und löscht es einfach.

Vielleicht liegt es ja daran, dass Informationen vom Ultrakurzzeitgedächtnis erst in das Kurzzeit- und dann in das sogenannte Arbeitsgedächtnis gelangen müssen. Hier werden Infos nach Relevanz selektiert und nur die wirklich wichtigen finden den Weg ins Langzeitgedächtnis.

Relevant scheint aber für das Ding zwischen unseren Ohren nur das zu sein, was wir öfter denken, es muss sich dort im Gehirn einschleifen, wie eine Spurrille in der Autobahn. Offensichtlich denken wir den Großteil des Tages die gleichen Gedanken und haben dafür eigens Denkmuster entwickelt. Das ist uns vertraut und deshalb fest verankert.

Ein Vorsatz, eine Idee ist zu flüchtig um direkt verankert werden zu können und so verschwinden unsere wunderschönen Ideen im Nirwana. Das Gehirn hat ja auch so einen Economyschalter und mag nicht so gerne Neuerungen. Lieber denkt es, was es immer denkt, dafür hat es ja genügend tiefe Spurrillen zur Verfügung und die nimmt das faule Ding sich dann.

 

Lösung

Es lohnt sich also, eine Idee direkt aufzuschreiben oder aufzusprechen und dann übertrage sie möglichst schnell in Dein Projektbuch oder Deinen Terminer. So  hast Du Dich bereits 3 Mal mit dieser Idee beschäftigt und der Weg ins Langzeitgehirn ist zumindest vorbereitet.

Hast Du jetzt keine Zeit die Idee umzusetzen, dann schreibe Dir ein Mindmap dazu oder male dieses schon mal zu Deiner Idee, es darf noch leer sein und nur aus Wolken, Kreisen, Vierecken bestehen.

Das Gehirn möchte eh immer alles Mögliche verbinden und so wird Deine Map nicht lange ganz leer bleiben. Nun hast Du Dich schon fünf Mal mit der Idee, dem Produkt, dem Newsletter, dem Seminar oder der Neugestaltung Deiner Räume  beschäftigt. Am dritten Tag wirst Du es nicht mehr aushalten, diese wunderschöne Idee NICHT zum Leben zu erwecken. Es ist bereits in Deine Denkleistung integriert.

Und jetzt lösche die ganzen Newsletter in Deinem *noch lesen* Ordner, Du wirst sie nie mehr anschauen, geschweige denn bearbeiten 😉 Die 72 Stunden sind vorbei.

Oder, beginne mit der Sortierung, heute. Morgen sondieren der relevanten Inhalte. Übermorgen wirst Du die übrigen durchlesen.

Fazit:

Schmiede, solange das Eisen heiß ist, danach bekommst Du es nicht mehr hin.

Wie ist es bei Dir?

Kennst Du das oder hast sogar bessere Lösungen? Dann bitte her damit.


Ninjagruß

Elke Dola Mindset-Ninja für Körpersprache, Kommunikation und Ausstrahlung, gepr. psych. Beraterin/Coach (Dr. Migge), Wirksamkeitstrainerin, Dozentin, Trainerin, zert. Referentin Public Relations und Öffentlichkeitsarbeit (DAPR), Inhaberin der Onlineakademie Akademiedigital, Texterin für Homepages, Firmenphilosophien, Kolumnen und Bewerbungen, Partnerin bei Coach Success (Christina Emmer), Nougatesserin und Motorradfahrerin, Freigeist und Klartextsprecherin

Spurrillen im Gehirn oder die 72-Stunden-Regel
Markiert in:                             

2 Gedanken zu „Spurrillen im Gehirn oder die 72-Stunden-Regel

  • 25. Mai 2017 um 6:07
    Permalink

    Liebe Elke,
    Lustig, aber teilweise stimmt das. So wie der Stapel an interessanten Zeitschriften oder Zettel, den ich früher in der einen Küchenecke auf der Arbeitsplatte hatte. Der wuchs und bald auch mein Stress, ihn aufarbeiten zu müssen.
    Bis ich dann mal draufkam, ihn ungelesen wegzuwerfen, weil die Dinge schon mehrere Monate alt waren und ich gar nicht mehr wusste, was genau da so interessant gewesen war.
    Seit damals habe ich keinen solchen Stapel mehr, was ich nicht gleich lesen kann, kommt weg. Ein etwas abgeänderter Eisenhauer. 😉

    Also nehme ich dem Gehirn das Löschen vorweg. Manchmal langweilt es sich und spuckt Ideen aus. Und da ich mittlerweile weiß, dass es damit nicht aufhört, setze ich nur mehr die um, die es sich von selber merkt.

    Man könnte sagen, es hat den Auftrag, die Ideen im Kosmos auf Relevanz zu testen und wenn es auf große Resonanz stößt, darf es sich wieder melden mit der Idee. 😉

    Ich habe dem Hirn nämlich irgendwann den Auftrag gegeben, mir alles zu melden, was relevant und wichtig für mein Leben ist. Wenn ich das jetzt so lesen, klingt das komisch. Es funktioniert aber super, wenn ich vor einer Verabstaltung oder wichtigen Terminen etwas vergessen habe, kann ich sicher sein, dass ich die Info dazu – ggf. auch in der Nacht – bekomme.
    So wie den Wecker im Kopf, den ich mir stelle, um in der Früh zu einem bestimmten Zeitpunkt aufzuwachen.
    Wir können so viel mehr mit unserem Gehirn machen, es ist ein williger Diener, du musst ihm nur g e n a u sagen, was es tun soll.
    Probiert es einfach aus. 😉
    Lg Eva

    Antworten
    • 8. Juli 2017 um 20:32
      Permalink

      Eva, das kenne ich nur zu gut, wenn ich einen Blogartikel schreibe, so entstand er immer aus einer eigenen Erfahrung. Und es gilt immer noch, was Du nicht innerhalb von 72 Std. beginnst oder beendest, wird gar nicht mehr getan. Das ist bei einem Umzug so und auch beim Schreiben, aber vor allem beim Mindset 🙂 Das Gehirn verfügt glücklicherweise über eine enorme Plastizität und schafft das alles schon. Danke Eva für Deinen ausführlichen Kommentar und sorry, das ich so spät antworte, wir haben soviel im Hintergrund am Relaunch gearbeitet, dass ich die tollen Kommentare hier viel zu spät gesehen habe. Umso mehr freue mich aber jetzt 🙂 Herzlich Dein Ninja.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.