Oder ist es Blödsinn?
Du hast es auch schon hundertmal gehört, nicht? Newsletter sind extrem wichtig, ohne Newsletter kein Sales Funnel, keine Email – Listen, keine Kunden, keine Vertrauensbasis, kein NIX, NADA,NIENTE.
Aha.
Klar, muss ich haben. Schaute mir also so einige Newsletter an, darunter waren Tchibo, Zahnersatzversicherungen, ca. 75 Coaches, IT Berater, Social Media Profis, Bildungseinrichtungen, Fernunis, Esprit und High undsoweiter undsofort…..
Hm. Spricht mich das wirklich an?
Brauche ich das? Was passiert denn ohne diese Infos?
Bin ich dann überhaupt up to date?
Was mache ich mit den Dingern? Wirklich lesen oder öffnen, kurz scannen und weg damit?
Denn sie wissen nicht, was sie tun…
Warum überhaupt habe ich mich dort eingetragen?
Bei manchen wusste ich es gar nicht mehr. Aber eines war mir noch deutlich bewusst.
Ich kam an bestimmte Informationen nur, wenn ich mich zum Newsletter anmeldete. Nein, nein, kein Mehrwertwissen, nichts Kostenloses was mich weiterbringt, klar auch Freebies waren dabei aber bei ganz vielen dachte ich nur:
….hm, muss man sich trauen.
(Oft völlig platte Tipps, nicht verwertbar oder welche, die eh jeder Mensch kennt)
Hol Dir mein E-Book ,wie Du in 14 Tagen 5 Kilo leichter wirst! Neueste Erkenntnisse der Forschung.
Nee, is klar.
Was stand drin, Tipps, die ich ja noch nie gehört hatte:
Viel Bewegung, kleine Mahlzeiten, ohne Fett, ohne Kohlenhydrate, viel Gemüse und Obst…
Gäääääääääääääääääähn. Man, war ich wütend. Wann ist welche Forschung nur auf dieses immens neue Wissen gestoßen?
Oder:
Du willst erfolgreich durchstarten, dann hol Dir hier meine Checkliste für professionelle Bewerbungen. Au fein, das ist mein Thema, muss ich haben. Zack, eingetragen und dann passierte Folgendes:
Ich erhielt nach dem Double-opt-in eine PDF-Checkliste, die ich hier mal eben in voller epischer Breite wiedergebe:
- Bitte keine Kaffee-oder Fettflecken auf dem Papier.
- Benutze hochwertiges Papier, nicht kariert und unliniert.
- Schreibe nicht: Sehr geehrte Damen und Herren.
- Achte auf einen interessanten Einstiegssatz.
- Schreib nicht mehr als eine halbe Seite.
- Beschreibe Deine Fähigkeiten.
- Ausreichend frankieren.
- Adresse nicht vergessen
- Absender nicht vergessen
- Vermerk: nicht knicken
Ohja, mein Interesse war geweckt und zwar das, wie ich mich ganz schnell wieder austragen kann.
Mach mich nicht wütend
Peinlich oder? Wenn das also der professionelle Tipp ist, der hier großkotzig verschenkt wird, bzw. mit meiner Email-Adresse bezahlt wird, dann habe ich zu viel investiert.
Ich war richtig wütend. Für wie dämlich hält mich der angebliche Profi, was bildet der sich ein? Alle Schimpfwörter möchte ich hier gar nicht niederschreiben, so wütend war ich.
Später sollten mir noch einige unangenehme Dinge auffallen, z.B. die einzige Info, dass ein neuer Blogartikel erschienen ist. (Jawohl, erschienen ist, also bereits passiert…was ist denn nun der Vorteil des Newsletters?) Noch nicht mal eine Info zu diesem Artikel, was er löst oder so. Nichts.
Infos also, die die Welt nicht braucht, zumindest nicht, wenn von diesem Versender niemals anderer Mehrwert erscheint, einfach 2x monatlich, hey, neuer Blogartikel von mir.
Brief an einen Unbekannten
In letzter Zeit ärgert mich auch ein
Hallo, lieber xy0815@4711, ….
Gut, ich weiß, liegt am Plugin, mit welchem ich Newsletter versende und natürlich daran, dass sich Subscriber einfach nicht mit Namen eintragen. Warum eigentlich nicht? Was ist schlimm an einem Vornamen? Oder Spitznamen? Alles ist besser als Hallo, lieber xy0815@4711, ….
Bei der Recherche zu diesem Beitrag ist mir erst mal aufgefallen, wie wenig Menschen sich mit einem Namen eintragen, auf meiner eigenen Liste sind es gerade mal 10 Prozent aller Einschreiber.
Hey, wovor habt ihr Angst? Ich mache einen Vorschlag, jeder, der keinen Vornamen angeben möchte, nennt sich ab sofort Anonymus, okay. So kann ich Dich dann wenigstens direkt ansprechen ; -)
Oder ich verzichte in Zukunft ganz auf eine personalisierte Begrüßung. Wie siehst Du das? Welcher Weg ist der bessere?
Newsflash oder Newstrash?
Dann wiederum erhielt ich Newsletter, die so voll gepackt waren mit Werbung, Weiterführendem, klick hier, tu das, mach jenes, schau mal hier, wenn Du mehr wissen möchtest klicke hier, dass ich für die Lektüre der angeblichen News mind. 2 Sunden hätte aufwenden müssen. Ist das der Sinn eines Anschreibens, welches für Neuheiten sorgen soll? Nö.
Ganz weg bin ich allerdings bei diesen Stressoren:
Hetz mich nicht
Zeitmesser! Du hast noch 30 Sec. für dieses unschlagbar, gigantöse Angebot, klicke JETZT hier…
Muss ja jeder wissen aber ich weiß, morgen steht dort genau das Gleiche und auch im nächsten Monat habe ich nur 30 sec. Zeit für dieses einmalige, nie wiederkehrende Angebot.
Platt, platter geht nicht
Wenn jetzt noch in jedem Letter eine schöne Plattitüde steckt, wie z.B. jeder Weg beginnt mit….oder der Weg ist ….. dann bin ich ebenfalls weg. Was soll denn jetzt noch Interessantes kommen? Wenn der Versender dies für News hält? Es gibt Abertausende selten zitierte Weisheiten, müssen es immer die total ausgelutschten sein?
Aber…
es gibt auch gute Beispiele.
So ist schon besser
Da erhielt ich z.B. letztens einen, der hatte ein Inhaltsverzeichnis. Sehr cool. Ich konnte sehr schnell selektieren, was ich JETZT eben lesen wollte und bin direkt dorthin gelangt. So mag ich das. News sollen doch schnell zu konsumieren sein. Was gibt es Neues? Ok, das und das und es ist gut weil…Fertig. Gibt es nichts Neues, macht nichts, wie wäre es mit einem Tipp, der jedem helfen kann. Mit einem Link, der allen nützlich sein könnte. Mit einem Vergleich, mit einem Lob für eine tolle Firma oder oder oder?
Die Einsamkeit eines Newsletterschreibers
Kommen wir aber mal zum Kern des Problems.
Ja, ich weiß und Du weißt, wie wichtig diese Dinger sind. Aber mal Butter jetzt bei de Fische! Spaß macht das nicht.
Du schreibst Dir die Finger wund, Du suchst Neuheiten, Interessantes, Wissenswertes, schreibst gar einen 2000 Wort-Artikel dafür. Du suchst Stunden nach geeigneten, ansprechenden, rechtskonformen Bildern, nach Schriftarten, Farben, Formatierungen und Formulierungen. Du investiert echt viel Herzblut, Zeit und Schaffenskraft und dann…
Drückst Du den Knopf. Veröffentlichen. Herzklopfen. Schwitzige Hände. Wie wird es ankommen?
Wird es ein durchschlagender Erfolg?
Was werden die anderen denken, sagen, schreiben?
Ich verrate es Dir!
N I C H T S
Gar nichts. Überhaupt nichts. Manche öffnen ihn noch nicht einmal.
Manche tragen sich sogar nach dem ersten wieder aus. Gut so. Weg mit falscher Zielgruppe, egal, die Dinger kosten ab einer gewissen Auflage Geld für den Ersteller, also bitte alle austragen, die kein Interesse oder jetzt ein anderes Interesse haben.
Nur, das ist den Einschreibern/Subscribern oft gar nicht bewusst.
Viel Wind um NICHTS
Auch ist niemandem klar, dass es richtig viel Arbeit ist, einen Newsletter zu erstellen, der noch nie einen erstellt hat.
Stell Dir mal vor, Du setzt Dich Samstagmorgen hin, es ist 10.00 Uhr und bastelst ca. 6 Stunden an Deinen Highlights, die Du in die Welt bringen möchtest, Du machst das mit Hingabe, liebevoll, Überlegst lange, was könnte Deine Leser weiterbringen, wie kannst Du ihnen helfen, wie Mehrwert liefern? Es ist nachmittags, Du brauchst eine Pause. Machst am Abend weiter. Liest noch fünf Mal Korrektur (trotzdem ein Fehler drin ;-)) Findest noch ein Bild, was so toll ist, das möchtest Du Deinem Publikum zeigen…. Und dann?
Was passiert dann?
N I C H T S
Gar nichts.
Überhaupt nichts.
Die gute Fee
Obschon Du Fragen gestellt hast in den einzelnen Beiträgen. Ja, Du hast sogar gefragt: Was brauchst Du gerade?
Was könnte Dir momentan helfen?
Was wünschst Du Dir?
Hey, das ist wie die Fee, die Dich fragt: was wünschst Du Dir!
Auf die warten doch alle.
Stille.
Silence.
Nicht die Ruhe vor dem Sturm, nein, es gibt keinen Sturm, noch nicht mal ein laues Lüftchen.
Du hast wieder mal einen kompletten Samstag des Monats für weniger als Nichts verheizt. Mist, wärst Du doch squashen gegangen oder essen oder spazieren oder Motorrad fahren, NÖ, das DING muss noch raus.
Du erkennst, Deine Öffnungsrate liegt bei über 80 %, ja Spitze. Also,
lohnt sich doch. Glückwunsch.
Ja aber leider ist das wie Briefkasten öffnen, Post rausnehmen und ab damit in eine doofe Schublade, wer will sich schon damit belasten?
Was dann geschah?
Mitten in meiner Aufregung, ja fast schon Wut reflektierte ich mein eigenes Verhalten.
Was mache ich denn, wenn ich einen NL erhalte?
Öhm…ähm…naja…also….. Mist, Mist, Mist.
Ich lese sie oder eben nicht. Manchmal habe ich grad keine Zeit, manchmal werde ich unterbrochen und finde nicht wieder hinein. Manchmal speichere ich sie für später ab. Manchmal lösche ich sie.
Nur eines, eines habe ich noch nie getan:
mich für einen bedankt oder jemandem eine Mail geschickt, weil der NL so toll war.
ARGHHHHHHHH!
Ich weiß, dass viele Leser selbst eine geballte Ladung an News versenden, mit viel Liebe, gut sortiert und wohlüberlegt.
Was können wir tun?
Wir, ja genau WIR können beginnen, die NEWS zu kultivieren.
Wenn jeder von uns bei einem NL seiner Wahl beginnt, ein ehrliches, kritisches, lobendes oder auch dankendes Feedback hinterlässt und dies zu einer Like -oder Dislikekultur wird… dann haben wir eine Chance auf Neuheiten, Mehrwert, echte Unterstützung und dann bekommen wir und unsere Leser das aufbereitet, was interessiert, was weiterbringt und nützlich ist.
Gehen wir also mit gutem Beispiel voran. Bist Du dabei?
P.S. alle Bilder/Fotos sind von pixabay CC0 Public Domain
www.quovadix.de
Elke Dola ist PotentialProfiler und Mindset-Ninja, Wirksamkeitstrainerin, Keynote-Speakerin, Dozentin für Körpersprache, Rhetorik und positive Kommunikation, Referentin für salutogene Gesprächsführung, Kolumnenschreiberin, Arbeitspädagogin, Texterin und staatl. gepr. Referentin für Public Relations und Öffentlichkeitsarbeit (DAPR), Mentor für Online- und OfflineunternehmerInnen und zert. psychologische Beraterin nach Dr. Migge
Hallo Lilli,
an Deinem Bericht ist viel Wahres dran. Und es stimmt, es gibt diese Newsletter, die ich gerne lese und darum (fast) immer öffne – und ich habe sogar schon mal zurück geschrieben, nachgefragt, meine Erfahrungen geschildert.
Ich habe schon 2003, als ich mein Unternehmen Rat & Tat Marketing gegründet hatte, Newsletter geschrieben und meine Leser regelmäßig mit Infos versorgt. Das war damals noch nicht so komfortabel wie heute, ich habe den gesamten Double Opt In Prozess per Hand durchgeführt, später habe ich dann ein Programm namens SuperMailer eingesetzt. Und irgendwann so um 2006 rum fing ich an zu bloggen und die Newsletter-Geschichte wurde mir zu mühsam … Du kannst Dir vorstellen, wie sehr ich mich ärgere, damals nicht dran geblieben zu sein.
Morgen geht mein dritter Newsletter für mein neues Projekt Marketing-Zauber raus – und ich bin begeistert, was sich heute automatisieren lässt und wie schöne Newsletter man versenden kann. Bis jetzt habe ich schon positive Rückmeldungen erhalten – ich hoffe, dass das so bleibt. Denn was Du schilderst habe ich mir zwar auch schon gedacht, klingt aber sehr entmutigend.
Dein Aufruf am Ende hat mich jedenfalls bewogen, Dir diesen ausführlichen Kommentar zu schreiben. Gefunden habe ich Deinen Beitrag übrigens über den Blog Boost Tag in der Facebook-Gruppe “Werde sichtbar als Coach”.
Beste Grüße
Birgit
Hallo Birgit, danke für Deinen Kommentar. Und vor allem DANKE für das Feedback. Es sollte aber gar nicht entmutigen, ganz im Gegenteil, es ist als Aufruf gedacht. Am schönsten wäre es, wenn NL – Leser hin und wieder mal auf einen NL antworten würden, z.B. wenn ihnen etwas wirklich gut gefallen hat. Dein Projekt hört sich sehr spannend an, ich werde es mal “stalken” 🙂 Auch gut finde ich, dass Du schreibst, wo und wie Du auf meinen Artikel aufmerksam geworden bist. Du bist ja schon ein “alter Hase” (respektvoll gemeint) in Sachen Social – media-Marketing, das finde ich bewundernswert. Jetzt gehe ich Dich besuchen. Herzlichst Lilli und noch einen schönen Restabend.
Hallo Lilli,
freut mich sehr, dass Dir mein Kommentar gefällt. Ich freue mich auch über jeden Kommentar auf meinem Blog, schließlich sind sie ja der Lohn des Bloggers, nicht wahr? (Spam mal ausgeschlossen …)
Ich habe schon gesehen, dass Du mich nun “stalkst” 😉 – ich denke, wir bleiben in Kontakt, oder?
Beste Grüße
Birgit
Liebe Lilli
Ich habe wieder einmal genossen. Da ist schon etwas dran.
Bisher biete ich immer noch kein Freebie, e-Book oder ähnliches. Wenn sich jemand bei mir anmeldet, interessiert er/sie sich für das Thema.
Da ich mich auch für viele Newsletter angemeldet habe -die wenigsten lese ich regelmässig- werde ich in Kürze alle abmelden und nur noch die abonnieren, die ich regelmässig lese. Und dann auch gerne ein Feedback an den Schreiber senden.
Lieber Gruss
Martin
Lieber Gruss
Martin
Chapeau! Mich Wwieder mal mit einem treffenden Titel zum Klicken und bis zum Ende Lesen gebracht!
Und die Moral von der Geschichte: ja, es stimmt. Viele Leute reagieren nicht auf Newsletter. Eine Öffnungsrate von 80 % – das hätte ich gerne. Obwohl man darauf ja auch nicht so viel geben kann. Ich achte auf die Klickraten viel mehr.
Die gute Nachricht: Ich bekomme regelmäßig Feedback zu meiner Komm-Post. In der Regel ist das positiv. Diejenigen, denen es nicht gefällt, melden sich nicht. Ist mir recht, man kann es nicht allen recht machen. Oft aber kriegt man gar nicht mit, dass jemand reagiert. Weil sie die Links nämlich teilen, die E-Mail an Kollegen schicken oder es einfach weiter erzählen. Sehr oft schon hat mich jemand Monate nach dem Versand auf ein Thema angesprochen.
Mein Tipp: sich auf die konzentrieren, die reagieren und sie als Maßstab nehmen.
Und natürlich: selbst viel mehr Feedback geben, Kommentare schreiben, Artikel teilen usw. Und: den Absender darüber informieren, dass man das getan hat. Das darf man.
Viele Grüße eure Kommplizin Gaby Feile
Liebe Elke,
danke für diesen tollen Artikel, denn ich schreibe gerade auch an meinem ersten Newsletter.
Dabei denke ich auch, dass viele es evtl. gar nicht lesen würden, habe das schon einkalkuliert. Jedoch ist es so, dass so ein Newsletter für mein Empfinden “Gewicht” hat. Es wirkt ganz anders als ne einfach Mail, eine Whatsapp Nachricht oder etwas ähnliches, und deshalb glaube ich dass es wichtig ist, einen zu haben und zu versenden, wenn man denn etwas mitzuteilen hat.
Auch weiß ich aus eigener Erfahrung, dass nicht immer das passende vlt. dabei ist, des wegen lösche ich es nicht, sondern schau immer, wann was für MICH dabei ist, oder für andere und teile das immer gerne…
Also bin echt dafür!!!
Liebe Grüße aus Augsburg
Liebe Yelic, genau so mache ich es auch. Was mich aber nervt, sind diese NL in denen steht: guck mal, mein neuer Blogartikel. Oder, hör Dir hier meinen Podcast an. Dafür braucht es keinen NL 🙂 Sobald aber ein Mehrwert enthalten ist, etwas Neues, eine echte Information, ein interessanter Link auf eine Studie o.ä. oder noch besser, eine kleine Übung, bin ich dabei! Wenn Du gerade dabei bist einen NL zu erstellen, dann binde Dich nicht zu fest, versprich nicht wöchentlich oder 2 x die Woche, Du wirst sehen, ein guter Newsletter ist mehr Arbeit als ein Blogartikel 🙂 Ist aber nur meine Ansicht. Lieber einmal im Monat aber gut recherchiert 🙂 Danke für Deinen Kommentar und das Du Dir die Zeit dafür genommen hast. Herzliche Grüße Elke